Collage: © by Miroslav B. Dušanić
Lieb Aug
Im Vorübergehen
überkam mich Leben
beim Anblick des Sommers
der Anderen
in Sehnsucht
verloren
mit chlorbenetzten Augen
als ob Tränen schuldig sein könnten.
Und ich vergaß.
© by Fabian Tietz


http://www.zeit.de/online/2009/08/bg-kambodscha
Trockene Augen
Unverdautes wieder oben
frisst sich erneut in die offenen Wunden
verletzte Seele
von Realität getreten
weint der Bauch.
Wieder sterben die Toten.
Scherben von Brillengläsern
im Fußfleisch der Fotografin.
Meine Beine zittern
unaufhaltbare Zukunft.
© by Fabian Tietz
DaDa
(Experiment)
Bringt man "bang" wie ein "Bäng" aus der anglizistischen Sprachwelt in das germanistische Lautmuster...
Bei dem Gedanken wird mir bang..
Das Bäng zielt und tötet.
Es ist laut.
Ein lautes Muster.
Es mustert laut.
Es knuspert.
Es knuspert bang.
BÄNG!!
© by Fabian Tietz
Rinde
Die alte Buche im stillen Hof ist die Quelle vieler Texte.
Hält Geschichten seit Jahrzehnten fest in ihren Falten, die zu Beginn der Sprache des Menschen als Buchstaben galten.
Manchmal lehn´ ich mich an sie und lausche den Blättern, doch im Hof ist nie Wind.
© by Fabian Tietz
Abendgespräch
Was blickst du träumend ins verwölkte Land?
Ich gab mein Herz in deine schöne Hand.
Es ist so voll von ungesagtem Glück,
so heiß - hast du es nicht gefühlt?
Mit fremdem Lächeln gibst du mir´s zurück.
Ein sanfter Schmerz... Es schweigt. Es ist gekühlt.
© by Hermann Hesse (Dezember 1903)
Aus dem Vollen
Merkwürdiges geht vor in mir.
Sein ist ohne Boden und Boden ohne Sein.
Das Traurige verfliegt und landet Bruch.
Die Wunden nässen beim Lachen.
Die Suche ist vielleicht die Quelle.
Ich schöpfe weiter aus ihr.
Ich trinke auch weiterhin das Leben ungefiltert.
Vielleicht macht es immun.
Ich vertreibe Gedanken und verletze ihren Stolz.
Die Mauer wächst.
Ich zwinge mich zum Punkt
.
© by Fabian Tietz
Tränen der Schreiber
Der Wind wird kalt,
meine Knochen hören die der Anderen.
Es ist ein merkwürdiges Geräusch.
Es macht mir Angst,
doch es ist das Summen der Künstlerstille,
mittendrin im Aufhören.
Nein! Es ist nicht Angst:
Es ist Traurigkeit.
© by Fabian Tietz
Hätte
Wenn ich nun über die Nacht geschrieben hätte, hätte ich mich des Plakatierens schuldig gemacht.
Ich wollte "einsam" und "Nacht" verbinden.
Es hätte wie ein Echo von Celan geklungen und ich hätte meinen Namen darunter geschrieben und ein paar Verirrte hätten vielleicht kommentiert.
Vielleicht hätte ich es einfach schreiben sollen.
© Autor unbekannt
Augenflug mit Grenzen
Ich trinke verlaubten Wein.
Gieße den verasteten Topf an meinem Fenster.
Blickt nach draußen
und vielleicht fragt er sich
warum der Wind so kalt ist
wenn ich atme.
© by Fabian Tietz
Wiedersehen mit Berlin
Seit man von tausend Jahren mich verbannt.
Ich seh die Stadt auf eine neue Weise,
So mit dem Fremdenführer in der Hand.
Der Himmel blaut. Die Föhren lauschen leise.
In Steglitz sprach mich gestern eine Meise
Im Schloßpark an. Die hatte mich erkannt.
Und wieder wecken mich Berliner Spatzen!
Ich liebe diesen märkisch-kessen Ton.
Hör ich sie morgens an mein Fenster kratzen,
Am Ku-Damm in der Gartenhauspension,
Komm ich beglückt, nach alter Tradition,
Ganz so wie damals mit besagten Spatzen
Mein Tagespensum durchzuschwatzen.
Es ostert schon. Grün treibt die Zimmerlinde.
Wies heut im Grunewald nach Frühjahr roch!
Ein erster Specht beklopft die Birkenrinde.
Nun pfeift der Ostwind aus dem letzten Loch.
Und alles fragt, wie ich Berlin denn finde?
— Wie ich es finde? Ach, ich such es noch!
Ich such es heftig unter den Ruinen
Der Menschheit und der Stuckarchitektur.
Berlinert einer: »Ick bejrüße Ihnen!«,
Glaub ich mich fast dem Damals auf der Spur.
Doch diese neue Härte in den Mienen …
Berlin, wo bliebst du? Ja, wo bliebst du nur?
Auf meinem Herzen geh ich durch die Straßen,
Wo oft nichts steht als nur ein Straßenschild.
In mir, dem Fremdling, lebt das alte Bild
Der Stadt, die so viel Tausende vergaßen.
Ich wandle wie durch einen Traum
Durch dieser Landschaft Zeit und Raum.
Und mir wird so ich-weiß-nicht-wie
Vor Heimweh nach den Temps perdus …
Berlin im Frühling. Und Berlin im Schnee.
Mein erster Versband in den Bücherläden.
Die Freunde vom Romanischen Café.
Wie vieles seh ich, das ich nicht mehr seh!
Wie laut »Pompejis« Steine zu mir reden!
Wir schluckten beide unsre Medizin,
Pompeji ohne Pomp. Bonjour, Berlin!
Mascha Kaléko
Sinn(frei)
Ich hüpfe und springe und singe und tanz´
im abendlich sterbenden kalt Sonnenglanz.
So werde ich leben in jedem Taghell
auch wenn es mich blendet, ach blendet es grell!
Und du liest diese Zeilen wie Trank aus dem Nichts,
dann nimm und verbrenn´ sie im Feuer des Lichts,
denn das was sie taugen sind sie niemals wert,
sie nützen nicht mal als verblutendes Schwert.
Der Sinn ist nicht klar und der Grund ist im Hohl,
mir ist hier im Schreiben auch nicht wirklich wohl,
ich spüre die Fragen und höre die Schelten
doch ohne die Schläge kann Hochmut nicht gelten.
© by Fabian Tietz
Vielen Dank an Miro für seinen Videokommentar auf seiner Seite zu meinen Zeilen "Russische Dame"!!!
Russische Dame
Sie sprechen mich an mit russischen Worten
voller Wärme und Leid und trotzigem Klang.
Sie halten mich für Ihresgleichen
und vielleicht bin ich es ja auch.
(...)
Ich stelle mir vor, ich lebte in Russland
mit schmerzender Seele voller Sehnsucht und Trunk.
In rauher Umgebung und kaltwarmer Landschaft,
es gäbe nicht viel ausser Liebe und Sein.
Vielleicht wäre ich dort zu Hause,
VIELLEICHT wäre ich dort daheim.
© by Fabian Tietz
Stadtrassismus
(alias Hip-Intoleranz)
Mit Britpop-Brillen durch die Stadt
und dennoch nichts gesehen
nur "Speaking English" macht sie satt
ich wünschte, dass sie gehen!
Die Stimme der urbanen Seele
können sie nicht spüren
sie schreit, sie schreit aus roter Kehle
sie lassen sich nicht rühren.
© by Fabian Tietz
Danke an Helter Skelter, dem das Gedicht indirekt gewidmet ist!
In Gedanken fort
Es sagte ein Freund, ich soll etwas dichten,
über den Abend und was ich so sah:
Doch das was ich sah, lässt sich schwer errichten
so weine ich grabend und fühle mich nah
dem weiten Erlösen im grauen Verbau
und nächtlicher Stunde, im Magen so lau.
Mit wirrem Verdeck in schützender Kutte,
umarmt sie mich wieder, die tropfende Nutte.
© by Fabian Tietz
Gedanken für jemanden
Die Seele schmeißt wohl manchmal
eine Granate in den überfüllten Keller
um Platz zu schaffen
unter dem Tageslicht
und sich aus dem Staub
ein neues Leben zu kreieren.
© by Fabian Tietz
Flussgedanke
Eine neue Verderbnis unter den ganzen die noch kommen der täglichen Lesung aus der real realen Rivalität der Realitäten vergeben dass dies alles niemals endet wenn man auch selbst am Schluss vor dem Ab nach dem Berg des Erlebens in der Welt stehend vergangen ist erkrankt das Kind in mir an Scharlach wird verdammt von der Intelligenz der Menschenköpfe in Theorie mit Liedern über die Praxis auf hohen Stelzen der Arroganzen kleiner zu bedauernder Zwerge ohne Hut auf als Schutz vor erkaltendem Wind aus den Träumen des Schreibers sich im Parallelen an Buchstaben versucht und Luft holt.
© by Fabian Tietz
Flussantwort
Um Missverständnisse auszuschließen ich kenne keine treffendere und eindringlichere Schilderung ich kann Dir gegenüber nur Mitleid empfinden das geht nun schon paar Monate die materielle Welt in der wir leben ist widerspenstig und verworren wie viele Beschäftigungen sind in dem Augenblick als der Ausbruch begann noch unterbrochen worden und immer droht dabei die gefürchtetste Berufsgefahr der Hausfrau die Schlampigkeit bald überlegen wir wo wir zu Mittag speisen könnten und wenn der Magen knurrt beenden wir sowieso solche intellektuellen Auseinandersetzungen mit uns selbst und unserer Umgebung.
© by Miroslav B. Dušanić
mehr schlamm als wasser
mehr mensch als schlamm
wasser(schlamm)leichen
die dämme erbrechen
das wort ertrinkt
© by Petros
Bei Miro gelesen und versunken:
Handschriftnotiz: Nummer 4
Der Tag um Tag durchlebst du
der König auf der Bühne stirbt
und alle Buchstaben stürzen
irgendwie verwirrt -
…heute der Tag graut
der Wind droht
es herbstet in deinen Augen
zum letzten Mal
du trocknest sie schnell
bevor sich dein Blick endgültig
einnäht ins Gewebe der Nacht
© by Miroslav B. Dušanić












